top of page

VOR 100 JAHREN.

Was war da los in Camberg. Hier ein kleiner Textauszug aus der Chronik 1918-1945 "Aus glücklichen und traurigen Tagen" von Albert Schorn (Rassismus, der damals auch auf Grund der Entbehrungen vorhanden war, habe ich bewusst weg gelassen. Albert Schorn schrieb am Ende seiner Chronik 1946: Die Zeit ist zwar vorrüber, in der der zweite Weltkrieg tobte, aber von Ruhe und Frieden sind wir noch weit entfernt. Unsere früheren Feinde, England und besonders Amerika, müssen uns helfend beistehen, wenn nicht das ganze deutsche Volk dem Hungertode preisgegeben sein soll. Einbrüche, Diebstähle, Mord und Plünderung geschehen am laufenden Band. Der Geist des Nazismus, der noch versteckt weiterlebt, muss völlig ausgerottet werden. Es gilt, diesen Geist aufzustöbern, zu erkennen und ihm den Garaus zu machen. Als Camberger wollen wir alle noch einmal darüber nachdenken, ob wir in der Zeit des dritten Reiches zu Recht oder Unrecht gegen Andersdenkende gehandelt haben, was jeder durch sein eigenes Gewissen feststellen kann.):

Am 24. September 1923 rückten die Besatzungstruppen von Kirberg her über Erbach in Camberg ein, nachdem man schon längere Zeit mit ihrem Einmarsch gerechnet hatte. Ganz Camberg war darüber in heller Aufregung. Als Kaserne wurde das St. Josefshaus benutzt. Die Paßkontrolle wurde genau durchgeführt.

Am 10. November 1923 kam es zu einer Straßendemonstration der Camberger Arbeiter. Sie versammelten sich vor dem Rathaus, um über ihre Holzfällerlöhne zu verhandeln und meldeten dem Bürgermeister Pipberger, dass nun ein Demonstrationszug gegen die Teuerungen stattfinden soll. Der Bürgermeister warnte vor Ausschreitungen, die mit strengen Strafen geahndet würden. An der Spitze des Zuges trug ein Arbeiter die rote Fahne. Rechts und links davon wurden Schilder getragen mit der Aufschrift: "Nieder mit dem Wucher" oder "Gebt uns Arbeit und Brot". "Hoch die Weltrevolution" ertönte es immerfort mit greller Stimme. Diejenigen, die ihre Geschäfte geschlossen hatten, mussten sie öffnen und wurden gezwungen, die Preise herunterzusetzen. Jedoch siegte die Besonnenheit der meisten Ladeninhaber über die Demonstranten.

Am 20. November kostete das Brot noch 360 Milliarden und heute Mittag schon 600 Milliarden.

24. November 1923: Die Besatzungstruppen, meistens Marokkaner, waren weitestgehend friedliche Menschen und gaben auch gerne den Armen. So sah ich in der Wirtschaft Hanson, wie ein Marrokkaner dem Taubstummen Becker, der dort Zigarettenstummel sammelte, ein Glas Bier bezahlte und zwei Milliarden gab. Der Marokkaner, der gut deutsch sprach, erzählte, Lehrer in seiner Heimat zu sein.

2. Dezember 1923: In einem Geschäft in Camberg kostete heute ein Kochtopf (28 cm Durchmesser) 15 Billionen und 800 Milliarden. Drei Wagen Dung wurden für 15 Billionen und 150 Milliarden auf den Acker gefahren. Ein paar Schuhe zu sohlen mit Flecken belief sich auf 700 Billionen und 800 Milliarden. Man hat sich in der trostlosen Zeit so an die Milliarden und Billionen gewöhnt, dass einem darüber nichts mehr einfällt. Nur das jedem die Billionen fehlten. Um sich eine Vorstellung zu machen, wie lange man zu zählen hat bis man eine Billion zählt, braucht man über 17000 Jahre. Eine Milliarde Gold in Franken, hat ein amerikanischer Finanzfachmann ausgerechnet, wiegt mehr als 300 Tonnen und 64 Eisenbahnwagen würden gebraucht werden, um diese fortzuschaffen. Bildunterschrift: 16. September 1924. Heute Nachmittag um 2 Uhr sind die Besatzungstruppen wieder abgerückt, nachdem sie ein Jahr lang hier stationiert waren. #Heimatgeschichte



6 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

コメント


bottom of page